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07.01.2017

Blind date heute - eSTe

Hallo ihr Lieben,

ich grüße euch mit den gleichen Worten wie ich dies auch stets auf meinem Blog tue und freue mich sehr, dass ich mich hier vorstellen darf.
Die Anfrage von May hat mich überrascht und zunächst war ich gar nicht sicher, ob überhaupt und - wenn ja - was ich zu erzählen hätte. Dann hab ich ohne Grübeleien zugesagt.

Also gehen wir mal der Reihe nach vor.
Mein Blogname ist eSTe – etwas ungewöhnlich? Er setzt sich aus nur zwei Buchstaben zusammen, nämlich den Anfangsbuchstaben meines real name: ST, verbunden mit dem lautmalerischen „e“. Ich bin Mitte 60, wohne in einem kleinen Ort etwa 30 km südöstlich von München und kam erst vor 2 ½ Jahren zu diesem Hobby, das jetzt einen Großteil meiner Zeit buchstäblich verschlingt und sie aber durchaus auch entschleunigt und dehnt. Das ist absolut kein Widerspruch, ihr könnt das ganz sicher nachempfinden. Wenn ich so zurückdenke, kommt es mir aber so vor, als wäre ich schon gefühlte 10 Jahre infiziert.


Begonnen hat alles – fast hätte ich geschrieben: bei Adam und Eva. So weit will ich natürlich nicht zurück gehen (ich will ja nicht unglaubwürdig sein :D). Fest steht jedenfalls, dass ich bereits in der Kindheit gern gebastelt habe und der Handarbeitsunterricht war nur wegen der hausbackenen Projekte ein Gräuel für mich. Das Erlernen der verschiedenen Grundtechniken war es, das mich interessierte. Als junge Frau habe ich später pausenlos gestrickt. Handarbeit war also immer schon ein Thema für mich.

Dann kam allerdings eine lange Zeit ohne jede kreative Tätigkeit, denn meine Berufsjahre habe ich in Büros verbracht. Ich habe meine Arbeit geliebt, das Hauptaugenmerk lag in sehr abwechslungs­reichen Organisationsarbeiten und außerdem ließ mein Arbeitsumfeld nie etwas zu wünschen übrig. Vor 10 Jahren war dann die Luft raus und ich dachte „da gibt es doch noch mehr“ – also begann ich das, was ich „mein zweites Leben“ nenne: ich hörte auf zu arbeiten und wurde bei diesem Vorhaben von meinem Mann großartig unterstützt.

Zunächst hab ich mich im Winter auf den wochentags fast leeren Pisten wohl gefühlt und ansonsten verschiedenste Kurse „quer Beet“ in der VHS gebucht. Bald hat sich mein Kreativpotential wieder gemeldet. Ich wollte wieder mal ein Ergebnis meines Tuns in den Händen halten und habe gestrickt, gehäkelt, mich im Filzen probiert, Puppen modelliert usw. Nur Nähen stand nicht auf meinem Plan. Patchworken fand ich zwar sehr interessant, doch aus der Ferne auch reichlich kompliziert. Und außerdem: das dauert ja ewig, bis so eine Decke fertig ist. Nein, nichts für mich, ich brauche schnelle Ergebnisse. So richtig zufrieden war ich allerdings auch nicht.

Das änderte sich, als mir der Zufall zu Hilfe kam.
Eines Tages wurde ein (Abo-)Anlernheft „Patchwork leicht gemacht“ angeboten, das sich jedoch bald als Flop erwies. Zu teuer, unattraktive (naja, eigentlich hässliche) Stoffe und einfach nix g’scheites, das habe ich sogar als Laie bald erkannt. Gleichzeitig  fielen mir Stoffquadrate in die Hände, die ich vor vielen Jahren aus unerfindlichen Gründen mal gekauft hatte. Also hab ich diese mit selbst ausgeschnitten Quadraten eines alten Dirndls ergänzt und aneinander genäht – eben so lange, wie der Stoff reichte. Dann war erst mal wieder Ratlosigkeit um mich. Was tun mit diesem Top, von dem ich nicht mal wusste, dass es „Top“ heißt.

Der Durchbruch kam bei einem Caféhausbesuch. Am Nebentisch saß eine Gruppe Frauen und auf dem Tisch lag ein Patchworkheft. Jetzt oder nie war sofort mein Gedanke, ich nahm all meinen Mut zusammen und sprach die Gruppe an. Das war’s! Dort und natürlich folgend im Internet und auf all euren wunderschönen Blogs wurden endlich all meine unzähligen Fragen gestillt und auch der allererste Quilt, bei dem es nur zur Kniedecke reichte, fand endlich seine Vollendung. Ihr seht ihn ganz am Anfang meines Berichts.


Auf den Geschmack gekommen, folgte sofort der Card Trick, auch in kleinem Format, denn Stoffe waren noch Mangelware. Das Muster hatte mich einfach fasziniert und ich wollte unbedingt wissen, ob ich so was zustande bringe.

Und so hangelte ich mich von einer Decke zur anderen, meine Stoffvorräte wurden umfangreicher, meine Fachliteratur erweiterte sich enorm, natürlich auch meine Ausstattung mit allerlei unentbehrlichem (und manchmal auch entbehrlichem) Handwerkszeug.  Und ich erkannte, dass ich scheinbar ein Faible für die Farbe „grün“ habe – hätte ich nie als meine Lieblingsfarbe genannt. Doch in Quilts tauchte diese ständig auf, z. B. bei diesem „Crosshatch“:


Vom Quilten hatte ich lange Zeit gar keine Ahnung, ich hielt das Stabilisieren in der Naht schon für das „non-plus-ultra“. Da hat mir ein ganz toller Quilt-Kurs bei Nana die Augen geöffnet und trotzdem hat es noch lange gedauert bis ich die Scheu davor verlor. Theorie ist eben nicht alles und viel Üben ist nicht so meine Sache. Ich „übe“ meistens am Original. Deshalb  werde ich diese traumhaften Federn, Ornamente etc. nie so perfekt können – aber mir genügt es so, wie es ist.

Ein weiteres herausragendes Erlebnis war ein Cross-it Kurs mit Brigitte Heitland in München. Nicht nur durch ihre Persönlichkeit hat mich diese Frau sehr beeindruckt. Ihre Stoffkollektionen bei Moda/Zen Chic zählen zu meinen absoluten Favoriten.


Gerne bin ich auf der Suche nach ein bißchen Ungewöhnlichem: so habe ich das Binding meines „Ident“ nur auf die Rückseite genäht – so sehen die Blöcke vorne so unbefestigt aus, so, als würden sie fast aus einem nicht vorhandenen Rahmen purzeln. 


Und noch einen Kurs hab ich mir gegönnt: NYB-Paperpiecing bei Quilt et Textilkunst in München, den Sandra (Hohenbrunner Quilterin) geleitet hat – ihr kennt sicher ihren Blog.  Das macht mir enorm viel Spaß und hat eine weitere Tür für mich geöffnet. 


Einer meiner Lieblingsquilts ist the elephant, ein Eigenentwurf, bei dem ich immerhin die Elefanten erstmals mit Handquilting betont habe.

Zur „Anlassnäherei“ (so nenne ich Arbeiten für z. B. Weihnachten, Ostern) hab ich mich bisher nicht durchringen können. Es ist mir einfach zu wenig, meine Arbeiten nur eine kurze Zeit im Jahr nutzen zu können. Auch Wandbehänge habe ich bisher vermieden, denn mir fehlen entsprechende Freiflächen um ihnen die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.
Außerdem ist es mir am liebsten, wenn die Decken und Kissen genutzt und geliebt und somit „verbraucht“ werden – ohne große „Berührungs­ängste“.

Auch Babyquilts gehören zu meinen heißgeliebten Projekten.


 Und wer mich kennt weiß, dass ich es liebe, Kissen zu nähen. Es gibt ja auch viele Reststoffe die verarbeitet werden wollen. 


Momentan bin ich auf dem schwarz-weiß-Trip: mein aktuelles Projekt ist ein Amish Saw Tooth, links und rechts fehlen noch die weißen Streifen


 und diese Kissen hab ich kürzlich, während unserer Nähferien genäht. Das ist ein echtes Highlight in jedem November; wir sind acht Quiltfreundinnen und haben einige Tage nichts anderes zu tun als zu nähen – wie reich sind wir doch beschenkt …


Ansonsten gibt es noch so viel das ich noch nicht genäht hab z. B. einen Dreiecksquilt oder einen echten klassischen Quilt – zu letzterem wird es aber auch nicht kommen, fürchte ich. Denn mein Bestreben geht eindeutig zu den modernen Quilts und auch eher zu den „nicht so farbigen, nicht bunten“.
Ach ja, bunt: einen Mystery (Grand Illusion) von Bonnie K. Hunter hab ich gleich in meinem ersten Nähjahr in Angriff genommen. Völlig ahnungslos was da auf mich zukommt, hab ich mich gerne dazu überreden lassen. So nach dem Motto: zur rechten Zeit werde ich die gestellten Aufgaben schon schaffen, also immer mit der Ruhe und so kam es dann auch. Zudem konnte ich immer auf Unterstützung zählen.


 So ihr Lieben, dafür, dass ich befürchtete, mir fiele nichts ein, ist das jetzt sehr umfangreich geworden. Ich hoffe, ihr habt durchgehalten.

Ein ganz großer Dank geht an euch alle in der Bloggerwelt, denn von euch wurde ich mit wertvollen Tipps gefüttert und durch euch durfte ich viel lernen, und außerdem habe ich so viele sympathische Gleichgesinnte gefunden. Es ist mir jedes Mal eine Freude, bei euch zu stöbern.

Und ebenfalls ein großes Dankeschön an das Team der Modern Cologne Quilter,  eure Idee des Blind Date ist große Klasse.

Ich grüße euch ganz herzlich und wünsche euch eine produktive Vorweihnachtszeit und weiter viel Freude an unserem herrlichen Hobby

eure eSTe



Kommentare:

  1. Hallo Este,
    ich mag deine Quilts auch sehr gerne und die Kissen sind ja total süß! Schön, mal deinen Anfang vom Patchwork kennenzulernen. Danke dafür!
    LG, Rike

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  2. Hallo Este, habe mit Freude deinen Bericht gelesen. Finde mich in Einigem darin wieder. Ganz besonders dick und fett möchte ich das Einstiegserlebnis mit Crossit und Brigitte Heitland unterstreichen. Ab da nahm meine PW-Welt eine Kehrtwende.
    Viel Spaß beim Erobern der Ideenwelt.
    LG Renate

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  3. Liebe eSTe,
    herzlichen Dank für deinen Bericht. Es ist sehr interessant zu lesen, dass du (wie viele andere und ich auch!) über einige Selbstversuche zum schönsten "Hobby" der Welt gelangt bist- und schon so viele Projekte fertiggestellt hast. Die Kurse von Brigitte bringen immer wieder eine neue Sichtweise und eine neue Ausrichtung mit sich, das ist für mich unbeschreiblich inspirierend.
    Schön, dass es dir auch so ging.
    Ich freue mich immer wieder von dir zu lesen und deine Werke zu bewundern.
    Liebe Grüße
    Dagmar

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  4. Liebe eSTe, "unbekannterweise" lieben Dank für diesen sehr persönlichen Bericht. Ich finde vielesz wieder in meinem "Hobby-Lebenslauf". Ich wünsche dir weiterhin viele innovative Idden. Lieben Gruß aus dem hohen Norden
    Andrea

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  5. Ein toller Beitrag. Gerne hab ich locker bis zum Schluss durchgehalten. Etliche deiner Projekte kenne ich von deinem Blog. Aber die hier gezeigten Kissen sind mir doch tatsächlich durch die Lappen gegangen! Dieses Design merke ich mir. Ich brauche dringend Kissen!

    Alles Liebe für dich und mache weiter so!
    Marion

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  6. Ich kenn Dich ja schon :-) aber trotzdem ist das sehr interessant, hier so über Deinen Werdegang zu lesen! Toll!
    LG, Sandra

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  7. Liebe Este,

    ich folge deinem Blog schon länger und bin immer begeistert von deinen schönen Projekten. Dass Du wirklich erst seit 2,5 Jahren dieses schöne Hobby hast, kann ich kaum glauben. Die Sache mit dem Schwarz-weiß kann ich gut nachvollziehen. Das wird auch meine Richtung in 2017.
    Viele Grüße
    Martina

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  8. Liebe Este,
    Dein Bericht hier war sehr interessant. Ich finde es immer sehr spannend zu lesen oder zu hören, warum jemand mit dem Nähen und speziell Patchworken anfängt. Siehst Du, bei mir ist es eher anders herum: Bei anderen finde ich Quilts aus modernen Stoffen und modernen Blöcken total schön, ich selbst nähe aber lieber traditionelle Quilt und liebe Reprostoffe.
    Liebe Grüße Viola

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  9. Liebe eSTe, herzlichen Dank für die Erzählung - fand ich spannend zu lesen. Tja, jeder hat ja so eigene Geschichte...
    liebe Grüße
    Olja

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  10. Da ist ja schon einiges beachtliches in so kurzer Zeit entstanden. Jetzt habe ich Deinen Blog (dank des Kommentars auf meinem Blog:-)))) gefunden und kann öfter mal schönes sehen und lesen
    LG Eva

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  11. Liebe eSTe,
    das war sehr interessant und Du hast superschöne Quilts gearbeitet. Wow! Danke für Deine tolle Vorstellung,
    liebe Grüße
    Deine Ariane

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  12. Ein schöner Bericht zu Deinem patchigen Werdegang untermalt mit sehenswerten textilen Arbeiten.LG Maren aus Leerhafe in Ostfriesland

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